Einsprache gegen das Waldtotalreservat im Hinteren Lauterbrunnental

Stechelberg Tourismus (ST) erhebt gegen das Vorhaben der Errichtung eines Waldtotalreservates im Hinteren Lauterbrunnental Einsprache aus folgenden Beweggründen:

Positionierung Stechelberg Tourismus

ST bemüht sich aktiv und auch mit finanziellen Aufwendungen um die Erhaltung und Pflege des Wandergebietes im vorgeschlagenen Perimeter des Reservates. In Zusammenarbeit mit der UNESCO und der Jungfrau Region Marketing AG wurden Themenwege beschrieben und beschildert. Für Erholungssuchende wurden entlang der Wanderwege Bänke erstellt, welche in Zukunft verboten wären. Aufgrund des grossen Interesses unserer Gäste an diesen Wanderungen, können wir keine Einschränkungen dieser Art, sowie durch Verbuschung und Verwilderung dulden. Die jetzige Artenvielfalt dürfte durch das Reservat auch leiden, was weder von den Gästen, noch den einheimischen Besuchern des Gebietes als positiv angesehen werden dürfte.

Bisheriger Schutz

Das vorgesehene Gebiet liegt im BLN und im Naturschutzgebiet von ProNatura und zusätzlich im UNESCO Welterbe. Der Schutz ist daher zur Genüge gewährleistet.

Kulturlandschaft

Die Bevölkerung der Alpen hat über Jahrhunderte einen kulturell und ökologisch aussergewöhnlichen Lebensraum geschaffen. Dieser bildet weiterhin eine wichtige Grundlage für Landwirtschaft und Tourismus.
Die Alpwirtschaft im Hinteren Lauterbrunnental muss deshalb mit allen zum jetzigen Zeitpunkt genutzten Staffeln Scheuerboden, Läger, Tal und Oberhorn erhalten bleiben. Der Grundeigentümer ProNatura hat sich mit dem Kaufvertrag vom 22. Mai 1947 und mit dessen Nachtrag vom 18. März 1948 verpflichtet,

"...die Alp Untersteinberg ihrer bisherigen Bestimmung zu erhalten, die Alpgebäude in Stand zu halten und das gegenwärtige Verhältnis zwischen Wald und Weide unverändert zu lassen..."
(Zitat aus dem Vertrag)

Diese vertraglichen Bedingungen dürften auch nach über 60 Jahren noch rechtsverbindlich sein.


Am 5. Mai 1999 wurde seitens ProNatura ein Versuch unternommen, die Alpwirtschaft im Gebiet Untersteinberg aufzugeben. Dieses Ansinnen konnte damals mit grossem Aufwand verhindert werden.


Die Idee, dies später mit Hilfe des Amtes für Wald des Kantons Bern mit der Ausscheidung eines Waldtotalreservates zu realisieren, wurde damals aber noch nicht kommuniziert.

ST erachtet die Absicht des Grundeigentümers als befremdlich, sich mit Hilfe dieser Einzonung der Verantwortung als Alpbesitzer zu entziehen. Es ist uns auch klar dass, nach Durchsicht der entsprechenden Unterlagen und Verordnungen, für die Errichtung des Reservates handfeste finanzielle Interessen seitens von ProNatura bestehen. ST kann ein Schutzgebiet aus solchen Gründen nicht akzeptieren.


Ebenfalls gegen ein Waldreservat spricht die Strategie der Regionalplanung Oberland Ost wonach sich "...die Waldfläche nicht weiter auf die erhaltenswerten Land- und Alpwirtschaftsflächen ausdehnen soll...". Grundlage dieser Strategie ist der Schlussbericht der Universität Bern an das Bundesamt für Umwelt vom Mai 2006. In diesem Bericht wird dieses Anliegen als "Ziel 1" formuliert und begründet.


(Quelle: Schlussbericht an das Bundesamt für Umwelt der Universität Bern vom Mai 2006, Autoren Marianne Tiefenbach, Annemarie Ruef und Thomas Hammer)

Historischer Weg

Vom Läger führt ein historischer Weg nach Oberhorn. Dieser Weg wurde in den letzten Jahren nicht mehr begangen und gepflegt. ST möchte sich aber die Option offenhalten, diesen Weg wieder begehbar zu machen. Dies auch im Sinne einer Alternative zu den von Erdrutschen bedrohten, jetzigen Wegen nach Oberhorn. Im Übrigen werden im Moment Forschungen betrieben, inwieweit dieser Weg von historischer Bedeutung ist und welche Rechte darauf verbrieft sind.

Fazit

ST erachtet die Errichtung eines zusätzlichen Schutzgebietes "Waldtotalreservat Hinteres Lauterbrunnental" als unnötig und nicht sinnvoll. Das Ziel von Stechelberg Tourismus, ein attraktives Wandergebiet mit einer intakten urwüchsigen Kulturlandschaft und einmaligen Alpwirtschaft zu bieten, wird tangiert. Aus diesen Gründen wird sich Stechelberg Tourismus mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Errichtung dieses Waldtotalreservates einsetzen.

Brief an die Gemeinde vom 29.11.2011 (PDF)